Freitag, 17. August 2007

Mark Medlock-aktueller DSDS Gewinner

Über Mark

Wenn man einen Wettbewerb von Anfang an derart souverän beherrscht wie Mark Medlock die vierte Staffel der RTL-Erfolgsshow „Deutschland sucht den Superstar“, muss man Eigenschaften und Fähigkeiten besitzen, die weit über das gewöhnliche Maß hinaus gehen. Zur Erinnerung: Der 28-jährige
Frankfurter hatte nicht nur in allen DSDS-„Mottoshows“ unangefochten den ersten Platz im ständig kleiner werdenden Teilnehmerfeld belegt, im Final-Telefonvoting am 5. Mai 2007 gaben ihm mehr als Dreiviertel (!) aller Anrufer ihre Stimme. Eine Favoritenrolle, die der Sänger selbst während des Konkurrenzkampfs allerdings kaum wahrnahm. „Bis kurz vor Ende habe ich mich so darauf konzentriert, meinen Job zu machen, dass mir das nicht bewusst war“, erinnert sich Mark. „Wenn man da so mittendrin ist, hat man das nicht so im Kopf, sondern will nur einen möglichst guten Auftritt hinlegen.“ Ein Vorhaben, das ihm ganz offensichtlich ohne Ausnahme glänzend gelang.

Eine plausible Erklärung für seinen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg, in dessen Verlauf er sich zunächst unter rund 30.000 Bewerbern einen Platz unter den zehn besten Sängerinnen und Sängern Deutschlands erkämpfen musste, hat der Hesse allerdings mittlerweile parat. „Ich bin mir sicher, dass den Leute meine ehrliche Art, mein offenes Auftreten und mein verrücktes Aussehen gefällt“, erklärt er. Dass der Sohn des aus Georgia stammenden Afroamerikaners Lauria Medlock und seiner deutschen Ehefrau Monika (beide mittlerweile verstorben) allerdings weit mehr zu bieten hat als gelebte Außenseiter-Authentizität, crazy Outfit-Ideen und kecke Sprüche, zeigte er bereits bei den ersten Castings. Mit einer Stimme, mit denen er den Songs seiner Idole Barry White, Marvin Gaye und Lionel Richie Ehre nicht nur jederzeit gerecht wurde sondern den legendären Soulklassikern überdies neues Leben einhauchte, überzeugte und fesselte er sowohl die DSDS-Jury Dieter Bohlen, Heinz Henn und Anja Lukaseder als auch Millionen von Fernsehzuschauern.

Auf den Gedanken, an dem bundesweiten Sänger-Wettstreit teilzunehmen, war Mark Medlock angesichts seiner prekären wirtschaftlichen Situation gekommen, in der sich der Hartz-IV-Empfänger im DSDS-Bewerbungszeitraum befand. Seit dem Ende seiner Schulzeit, die er 1990 abgebrochen hatte, um seine erkrankte Mutter zu pflegen, hatte er sich mit Gelegenheitsjobs als Kranken- und Altenpfleger, in Gärtnereien, Hotelküchen und bei der Müllabfuhr finanziell über Wasser gehalten. Im vergangenen Jahr war allerdings ein Level an Hoffnungslosigkeit erreicht, dass ihn alle Bedenken, an einem Casting zu „Deutschland sucht den Superstar“ teilzunehmen, vergessen ließ. Freunde und Bekannte, die um sein gesangliches Ausnahme-Talent wussten, ermutigten ihn, die offensichtliche Befähigung für eine Teilnahme zu nutzen - zunächst verfolgte er die letztjährige dritte Staffel der RTL-Show allerdings lediglich am Fernseher. Trotz seiner 28 Jahre, die ihn im Teilnehmerfeld zu einem der Ältesten machten (Final-Konkurrent Martin Stosch war z.B. zwölf Jahre jünger), hätte eine Mitwirkung in einer der früheren DSDS-Ausgaben nach Marks Dafürhalten allerdings nur wenig Sinn gemacht. „In diesem Jahr war das Motto für mich: ‚Jetzt oder nie’. Wenn der Löffel erst in den Keller gefallen ist, hat man auch diesen gewissen Kick, den man braucht, so eine Sache durchzuziehen“, sagt der Frankfurter heute. Gesagt, getan.

Trotz seines selbstbewusst-lockeren Auftretens, von dem sich „andere eine Scheibe abschneiden könnten“ (Mark), verspürte der Sänger dann allerdings doch Angst, Juror Dieter Bohlen gegenüber zu treten. Die Begegnung mit dem Pop-Titan sollte jedoch für beide zu einem unvergesslichen Moment werden. „Ich war ja schon immer scharf drauf, den Typen kennen zu lernen“, gibt der DSDS-Sieger unumwunden zu. „Und ich muss sagen: Dieter ist charakterlich einfach obergeil und ich habe sehr großen Respekt vor ihm und vor dem, was er in seinem Leben erreicht hat.“

Auch für den Erfolgs-Produzent, -Songwriter und –Musiker Bohlen, der in seiner über 25-jährigen Karriere so manches Talent erlebt hatte, war sofort klar, dass er mit Mark Medlock eine absolute Ausnahmeerscheinung vor sich hatte. „Dieser Wahnsinn“, erinnert sich der DSDS-Juror, „der kam da rein, wirklich schon völlig am Boden. Halbfarbiger, und sagte in der ersten Sendung: Ich bin schwul. Da hab ich so gedacht, ey, willst du unbedingt jetzt gleich alle Menschen gegen dich haben?“ Doch genau der umgekehrte Effekt sollte sich einstellen: Die Zuschauer schlossen den hessischen Underdog mit der tiefschwarzen Stimme und dem losen Mundwerk in ihr Herz und kürten ihn zu Deutschland neuem Superstar.

Nachdem sein Beitrag zum „Power Of Love“-Album der DSDS Top 10 (= die zehn Finalisten des Wettbewerbs: Francisca Urio, Lisa Bund, Julia Falke, Jonathan und Thomas Enns, Max Buskohl, Lauren Talbot, Laura Martin, Martin Stosch und natürlich Medlock), die Coverversion des Lionel-Richie-Song „Endless Love“ unüberhörbar zu den Highlights des Media-Control-Top-3-Longplayers gezählt hatte, erschien mit „Now Or Never“ am 11. Mai endlich Marks Solo-Debütsingle. Geschrieben und produziert wurde die großartige Ballade von Dieter Bohlen, der in der Vergangenheit bereits die DSDS-Teilnehmer Alexander Klaws und Daniel Küblböck mit Nummer-Eins-Hits („Take Me Tonight“, „Free Like The Wind“ und „You Drive Me Crazy“) ausgestattet hatte. Bohlen, mit über 160 Millionen verkauften Tonträgern einer der erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten aller Zeiten, ließ es sich nicht nehmen, selbst mit dem Sänger zu arbeiten – dem er eine große Zukunft prophezeit: „Da passt alles. Ein absoluter Glücksfall.“

Auch Mark selbst geht – wie zahlreiche fachkompetente Beobachter auch - von einer langfristigen Verweildauer in den oberen Chart-Regionen aus. Sein Rezept: „Man muss ganz einfach bleiben, wie man ist. Man muss an seine Träume glauben. Ich freue mich, dass ich diese Chance habe und werde sie nutzen.“ Dabei gilt sein einziges Interesse der musikalischen Qualität, die wirtschaftlichen Begleiterscheinungen klammert er ganz bewusst aus. „Man darf nicht abheben und zuerst aufs Konto schauen. Was zählt, ist die Musik. Und man darf nicht vergessen, wo man herkommt und wie man vor dem Sieg gelebt hat.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass er die neuen Annehmlichkeiten nicht zu schätzen wüsste. „Es ist zwar sehr ungewohnt für mich aber auch toll, wenn sich so viele Menschen darum kümmern, dass es mir gut geht. Wenn jemand dafür sorgt, dass ich in Luxus-Hotels wohne, zu Essen bekomme und durch die Gegend chauffiert werde“, berichtet er. „Es ist aber auch klar, dass ich jetzt nicht in einer Holzhütte wohnen kann – ich geb’ mir halt das volle Programm und genieße die Zeit. Da kann man dann auch gut mit dem Stress fertig werden, der jetzt natürlich herrscht.“ Keine Frage: Das volle Programm bedeutet neben Hotelsuiten und Limosinen-Service in den Wochen nach dem Triumph natürlich Interviews für Presse, im Radio und im Fernsehen geben, Videos drehen, Fotos machen, Autogramme schreiben und – das erste eigene Album aufnehmen.
Wie bereits die Single „Now Or Never“ entstehen auch die Songs des (noch unbetitelten) Medlock-Erstlings in enger Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen. Die musikalische Ausrichtung ist schnell umrissen: Schlicht und einfach „Mark-Style“ lautet für den DSDS-Sieger die offizielle Genre-Zuordung. „Das Album wird natürlich soulige Songs enthalten, geprägt von meiner tiefen Stimme“, erklärt er, „und auch wenn musikalisch von allem ein bisschen enthalten sein wird, steht Mark doch immer an erster Stelle.“ Wer auf eine textliche Verarbeitung seiner widrigen Vergangenheit in eigenen Worten hofft, muss sich allerdings noch ein wenig gedulden – zunächst möchte Medlock mit den Abläufen professioneller Studioarbeit vertraut werden und die Arbeitsweise erfolgreichen Songwriting und Produzierens kennen lernen. Und bei wem könnte er dies besser als beim erfolgreichsten Pop-Produzenten unserer Tage: Dieter Bohlen.

Keine Kommentare: